Am langen Ende – Leicas Bridgekamera V-Lux (Typ 114)

„Ob auf Reisen, beim Birding oder bei anderen Outdoor-Abenteuern – die Leica V-Lux ist dafür die perfekte Kamera. Zeitraubende Objektivwechsel und schwere zusätzliche Ausrüstung erübrigen sich. Mit ihrem pfeilschnellen Autofokus übertrifft die Leica V-Lux sich selbst.

In nur 0,2 Sekunden im maximalen Telebereich und 0,11 Sekunden im Weitwinkelmodus erfasst sie zuverlässig jedes Motiv.” So bewirbt Leica die Kamera auf der Homepage. Ob sie das auch einhält, habe ich in diesem Jahr mit ca. 10.000 gemachten Bildern getestet.

Ich hatte dieses Schmuckstück bei mehreren Reisen ins Ausland bis nach Sambia in Zentralafrika dabei und nicht geschont, als ich an den Viktoriafällen und im Kafue auf der Vogelpirsch war. Aber auch bei gemütlichen Parkbesuchen hatte ich sie um die Schulter hängend im Einsatz, ruhig auf der Bank aufgelegt, den Sonnenuntergang den heimischen „Indian Summer“ ablichtend. Enttäuscht hat sie mich dabei nie, nach einer kurzen Umstellungsphase kann ich das obige Statement nur unterstreichen.

Kurz zu den technischen Daten: Das Leica DC Vario-Elmarit 1:2,8–4/9,1–146 mm ASPH Objektiv ermöglicht mit seiner Anfangsöffnung von 2,8 (Weitwinkel) bis 4 (Tele) scharfe und detaillierte Aufnahmen auch auf große Distanz. Sie ist konzipiert für Weitwinkel-, Standard- und Supertele- bis hin zu Makrofotografie mit einem Abstand von nur drei Zentimeter. Eine Streulichtblende gehört zum Lieferumfang und sollte auch verwendet werden. Umgerechnet auf das klassische Format, kann man mit ihr den Bereich 25-400 mm abdecken. Darüber hinaus ist ihr Autofokus wirklich pfeilschnell, einmal das Ziel anvisiert, den Auslöser halb durchgedrückt, schon ist der gewünschte Ausschnitt scharf.

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Mit dem zuschaltbaren Digitalzoom, der bis zu einem Faktor 4 geht, sind theoretisch Aufnahmen bis zu 3200 mm möglich. Natürlich hat man hier ein grobes Korn, dennoch hat auch diese Funktion ihre Anwendung, zum Beispiel um Tiere zu identifizieren, die weit entfernt sind. Im direkten Vergleich zu hochpreisigen DSLR Kameras kann man festhalten, dass die Bildqualität im Bereich bis 120 mm sehr gut ist.

Starke Verzeichnungen sind nicht festzustellen, vor allem, wenn man die Bilder (wie 90% der Anwender) nur auf dem Rechner ansieht. Aber auch bei 300 und 400 mm kann man noch sehr gute Ergebnisse erzielen. Ideal ist der Umschalter am Objektiv, mit dem man zwischen Zoom und Fokus wählt, und die man dann über den Metalltubus steuern kann.

Leider lässt sich dieser nur indirekt bedienen, ist aber sehr wertig und feinfühlig in der Steuerung, wenn man etwas damit trainiert. Ich habe es meist so gehalten, dass ich den Zoom über den Schieberegler um den Auslöser bediente und mit dem Ring den Fokus im Bedarfsfall manuell nachsteuerte.

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Der Kameratyp der Leica V Lux wird als Bridgekamera bezeichnet. Wikipedia (12-2016) definiert ihn so: „So wird eine Kamera bezeichnet, die Eigenschaften von Spiegelreflex- und Kompaktkameras vereint, also in Bezug auf Ausstattungs-, Qualitäts- und Funktionsmerkmale eine Brücke zwischen beiden Konstruktionsprinzipien schlägt. Meist hat sie verschiedene Automatikfunktionen und Motivprogramme.”

Mit den beiden Drehrädern auf der Oberseite der Leica kann man linksseitig den Einzel-, Serien- oder Selbstauslöser einstellen. Gerade letzteres geht so schnell und ohne sich durch das Menü fummeln zu müssen.

Mit der V Lux kann man bis zu elf Bilder pro Sekunde machen. Gerade für den Birder ist das wichtig, da man so mehrere Bilder von einer Situation machen kann und das passende Bild zuhause am Rechner heraussuchen kann. Ich gehe hier immer nach dem alten Motto “viel hilft viel” vor, mache bis zu 30 Bilder von einer Konstellation und lösche dann alle bis auf ein oder zwei.

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Auf keinen Fall sollte man das „im Feld“ machen, obwohl der drei Zoll große, dreh- und schwenkbare Bildschirm sehr detailgetreu ist. Dennoch sieht man die Feinheit doch besser auf einem heimischen Monitor. Meist habe ich die Leica im „Silent Modus“, dann gibt es kein Gepiepe mehr, was gerade beim Beobachten in der Natur wichtig ist.

Mit dem rechtsseitigen Drehrad kann man die verschiedenen Modi (Voll-, Programm-, Blenden- und Zeitautomatik sowie Motivprogramme und Digitaleffekte), einstellen. Iich habe meist die „P“-Automatik eingestellt. So kann ich immer die perfekte Zeit-/Blendenkombination je nach Vorliebe verändern.

Die meisten Anwender werden auch mit der Vollautomatik zufrieden sein, so dass sie sich nicht mit technischen Details befassen müssen und sich voll auf das Motiv konzentrieren können. Noch ein Tipp dazu: Versuchen Sie mal in einer ruhigen Minute –  z. B. wenn Sie an einem Nest auf die Rückkehr des Muttertieres warten – die verschiedenen Effektfilter aus. Am Anfang denkt man, das sind Spielereien, was sie auch sind, dennoch kann man eine Menge Spaß damit haben.

Die schwarze Kamera und der sehr wertige Body liegen mit dem seitlichen Handgriff satt in der Hand und wiegt mit Akku und Trageriemen 875 g, bei den Maßen 137 x 99 x 131 mm. Sie besteht aus dem Hochleistungskunststoff Polycarbonat – ist kein „Plastikbomber“ und insgesamt haptisch ansprechend.

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Man kann alle Tasten und Drehräder gut bedienen, der Zeigefinger findet blind den Auslöser. So muss das sein, so kann man in Sekundenbruchteilen reagieren. Mit der Leica V-Lux lassen sich auf Knopfdruck auch Videoaufnahmen machen – in verschiedenen Auflösungsstufen kann man bis hin zum neuen Format 4K aufzeichnen.

Die Auflösung der Videos ist dabei viermal so hoch wie mit Full HD. Das bedeutet viermal mehr Details und viermal bessere Bildqualität. Sie ist so exzellent ist, dass ein Standbild aus dem Video als brillantes Foto festgehalten werden kann, und man auf normalen Ausdrucken (10 x 15 cm) oder gar auf dem Rechner schon sehr kritisch schauen muss, um einen Unterschied zu sehen.

Durch den großen 1″-Sensor der Leica V-Lux erhalten Sie Bilder von außergewöhnlicher Brillanz, die reich an Details sind und mit natürlichen Farben faszinieren. In Kombination mit der hohen Lichtstärke des Objektivs erweitern Sie so den kreativen Spielraum mit Schärfen und Unschärfen. Gerade der große Sensor (üblicherweise werden in Fotoapparaten dieser Klasse kleinere verbaut) ist der Garant für den Erfolg dieses Modells.

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Dazu tragen wohl auch die maximalen 20 Millionen Megapixel bei, die aber heutzutage eher einen theoretischen Wert haben. Interessant ist auch die Möglichkeit unter mehreren Simulationen zu wählen, ich favorisiere klar ein leichtes Plus an Schärfe und Farbe. So werden die Grundelemente der Natur leicht herausgearbeitet, dennoch sieht alles neutral und realistisch aus.

Obwohl man mit dieser Kamera sehr hohe Auflösungen wählen kann, arbeite ich immer mit dem “mittleren Jpeg” – was Leica speziell für dieses Modell optimiert hat – und bin immer zufrieden. So hat ein Bild ca. zwei Millionen Megapixel, und man kann die Bilder noch locker auf den herkömmlichen Medien speichern und zeigen, ohne das alle Festplatten “bis zum Anschlag” voll sind.

Obwohl die meisten Bilder OOC (Out Of Camera – Direkt aus der Kamera) sehr gut sind, kann man natürlich auch kleinere Optimierungen vornehmen oder auch in RAW aufzeichnen. Zum Lieferumfang gehört Adobe Lightroom, damit kann man am Rechner einiges verbessern, wenn man bei der Aufnahme geschludert hat.

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Der Sucher der V Lux ist brillant, obwohl ich meist den Bildschirm verwende. Nur bei sehr weit entfernten Motiven und beim Zoomen am Anschlag wechsle ich zum Sucher, der sich dann sensorisch automatisch einschaltet. Auch eine andere technische Vereinfachung, der Stabilisator, arbeitet grandios, beim Filmen wie beim Fotografieren.

Ich habe ihn immer eingeschaltet und kann so eine ca. 20-prozentige Verbesserung erreichen. Auch wenn es die Profis anders sehen, ich habe die ISO, den Weißabgleich immer auf Automatik und gehe nur bei der Schärfe eine Stufe im Wahlbereich hoch. So erhalte ich sehr gute Bilder, die sich sehen lassen können und die ich oft an Zeitschriften und Magazine verkaufe. Final kann ich noch empfehlen, die 9er Gitterlinien und den künstlichen Horizont anzuschalten, so sind die Vögel – bei sachgemäßer Handhabung – nie dezentriert.

Der Akku reicht für etwa 400 Bilder und ist damit für einen normalen Einsatz vollkommen ausreichend, wenn man darauf achtet, dass er frisch geladen ist. Die Preis für die Leica V Lux (Typ 114) liegt bei 1.100 Euro UVP und ist für diese Spitzenkamera angemessen. Ein echter Kauftipp für den fotoaffinen Birder.

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Text und Fotos: Dr. Frank B. Metzner und Kay Kay

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